Minimalismus – es geht in eine neue Phase

Minimalismusblog Familienleben

Bereits seit etwa zwei Jahren misten wir nach und nach aus. Diese Einstellung wird immer mehr zur Lebenseinstellung und geht uns in Mark und Blut über (lies dazu auch weitere Artikel zum Minimalismus). Da wir gerade unsere Kleidung ausmisteten, möchte ich euch über unseren Zwischenstand berichten. Irgendwie hat das auch etwas von einer kleinen Beichte, denn ich gebe gleich ein paar Fehler zu. Aber hey, egal, ich stehe dazu und kann es so besser machen. 😉

Während sich das Entrümpeln zunächst viel auf die Einrichtung bezog, gehen wir jetzt langsam mehr und mehr in die Tiefe. Spielsachen, Kleidung, Finanzen – all das gehört mittlerweile für uns zum Thema dazu. Am Wochenende haben wir das erste Mal seit Jahren an einem Flohmarkt teilgenommen. Das war wirklich schön! Wir konnten anderen Menschen eine Freude machen und für unsere Dinge noch ein paar Euro einnehmen, was wir gleichzeitig zur Seite legen können. Wir haben beschlossen, dass wir jetzt zwei Mal im Jahr an Flohmärkten teilnehmen, denn es hat wirklich Spaß gemacht!


Inhaltsverzeichnis


Und wie sieht es sonst so bei uns aus?

Spielsachen – Zeit statt Geschenke

Wir kaufen kaum noch Spielsachen. Höchstens, wenn unsere Kinder sich von ihrem Taschengeld etwas kaufen wollen. Das ist schließlich ihr gutes Recht, da können und wollen wir ihnen nicht rein reden. Es zeigt sich aber langsam, dass unsere Einstellung zumindest bei unserer jüngsten Quatschtröte Einzug findet. Während sie früher ihr Geld schnell auf den Kopf hauen wollte, spart sie jetzt fleißig und gibt ihr Geld nicht mehr nur für irgendwelches Spielzeug aus, dass nach zwei Mal spielen in der Ecke liegt. Man merkt ihr an, dass sie anfängt über ihre Käufe nachzudenken. Und wenn wir ehrlich sind – welche Eltern kennen das nicht – haben die Kinder zu viel! Und an Geburtstagen und Weihnachten kommt immer wieder mehr hinzu. Das nervt mich Jahr für Jahr. Die liebe Verwandtschaft (und sie meint es gut, ich mache ihnen da keinen Vorwurf!) möchte unbedingt etwas schenken. Und dann wird überlegt, was denn sinnvoll sein könnte, aber im Endeffekt liegt es später auch wieder nur rum. Unsere Kinder sind da wie wir: Wir haben unsere festen Dinge, die wir immer wieder nutzen, alles andere fliegt nur herum.
Um dem ein bisschen entgegenzuwirken, haben wir im kleinen Familienrat eine tolle Idee ins Leben gerufen: Anstatt materielle Geschenke, schenken wir uns in unserer kleinen Familien Zeit: Zeit für kleine Reisen, Zeit für Ausflüge. Zum einen investieren wir in gemeinsame Erlebnisse, zum anderen auch in Humankapital, da sie dadurch auch Bildung erfahren. Von den anderen Familienangehörigen gibt es sowieso viele Geschenke, dann puffern wir das so ein wenig ab. Da bin ich schon ein kleines bisschen stolz auf unsere Kinder.

Kleidung

Für unsere Jüngste kaufen wir nur noch gebrauchte Kleidung. Warum? Sie geht auf eine Schule, in der sie ganz viel in der Natur und draußen sind. Die Kleidung geht schnell kaputt und da wäre es viel zu schade um das liebe Geld. Aber wir kaufen für sie auch noch aus einem anderen Grund Second Hand: Wir möchten Rohstoffe sparen. Sie selbst steht da total dahinter “Wenn wir die Sachen nicht neu kaufen, brauchen die Sachen nicht neu produziert werden. Das tut unserer Natur gut.” Sie hat unsere Einstellung auch schon ein bisschen übernommen.
Bei unser Ältesten ist das etwas anders: Gebrauchte Kleidung kaufen ist uncool. Aber um einen vernünftigen Umgang mit Geld zu lernen, bekommt sie von uns monatlich Kleidergeld und damit muss sie dann vernünftig haushalten und sparen.


Nachtrag 2020: Mittlerweile kaufen wir unsere Kleidung entweder Fairtrade oder aber Second Hand. Neben dem Resosurcensparen möchten wir keine Menschen ausbeuten. Dieser Aspekt ist mittlerweile stark in den Vordergrund getreten. Hier kannst du einige Beiträge darüber lesen:

Warum Second Hand kaufen?
The True Cost – Dokumentation über die sozialen und umweltbezogenen Auswirkungen der Kleidungsherstellung
Meine Capsule Wardrobe


…. Achtung, die erste Beichte kommt….

Tja, jetzt muss ich natürlich auch etwas zu uns schreiben. Und da kommt schon die erste kleine Beichte. Wir haben früher unendlich viel Geld für Kleidung ausgegeben. *schäm* Mal hier ein Teil, mal da. Und was passierte schlussendlich? Es lag im Kleiderschrank und wurde nicht getragen. Seit einigen Monaten machen wir das nicht mehr. Es hat mich noch ein Mal überkommen, dass ich im Urlaub zwei Tops kaufte, die im Schrank versauerten. Aber das wars auch. Da haben wir einen riesen Schritt nach vorne gemacht.

Gestern beschloss ich für mich, wieder auszusortieren. Es kam beim Ausmisten erneut ziemlich viel zusammen. Aber jetzt habe ich  nur noch Kleidung im Schrank, die ich auch wirklich trage. Es fühlt sich noch zu viel an. Einige Kleidungsstücke davon sind Herbst- und Winterkleidung. Da werde ich noch sehen, was ich wirklich noch trage und was nicht. In einem halben Jahr werde ich ein Fazit ziehen und ggf. weiter aussortieren. Und bis dahin kaufe ich keine Kleidung mehr. – Oh Gott, ich habe es tatsächlich öffentlich gemacht! Jetzt habe ich Druck aufgebaut.  😉

Während mir das mittlerweile leichter fällt, fällt es meinem Mann in Sachen Kleidung ausmisten schon schwerer. Aber heute hat er es endlich geschafft. Er hat den ersten Schritt gemacht. Okay, es war irgendwie spontan und durch die Blume von mir initiiert. 😉 Wir schauten gemeinsam in seinen Schrank und ich war ehrlich erschrocken! “Wie viele T-Shirts hast du denn bitte? Und wie viele davon trägst du?” Und dann fing ich an auszusortieren, eigentlich mehr zum Spaß: “Ach guck mal, das brauchst du doch nicht, das auch nicht. Ah, das ist schön. Aber das doch nicht….”, aber dann machte er mit und sortierte ziemlich viel aus. Er hat immer noch viel zu viel, aber viel weniger und das macht mich stolz. Endlich hat er es geschafft, sich von Dingen, “die man später ja mal gebrauchen könnte”, zu lösen. <3

Ich konnte den Kleidungsberg nur ungläubig anstarren. Es erschreckt mich schon, irgendwie. Das viele, viele Geld das zum Fenster hinausgeworfen wurde, die vielen Ressourcen, die verschwendet wurden. Sowas öffnet schon die Augen.

…. Achtung! Die zweite Beichte folgt!….

Finanzen

Eigentlich dachte ich, dass wir nur noch Dinge kaufen, die wir wirklich brauchen. Ich war davon überzeugt! Aber – und jetzt folgt die zweite Beichte – da habe ich mich doch getäuscht. Ich habe im Vorfeld mal jede Ausgabe notiert, um einen Überblick zu bekommen. Himmel,  was für ein Quatsch da zusammen kam! Seit Anfang des Monats führen wir nun ein Haushaltsbuch. Und das ist Gold wert, ehrlich! Das hat den Effekt, dass wir außer Lebensmittel, gar nichts mehr kaufen möchten. Wir haben gar nicht mehr den Wunsch Geld auszugeben und überlegen zwei Mal, ob wir das Geld ausgeben und dieses Produkt wirklich kaufen. Ich bin beeindruckt, was wir sparen können! Und wie leicht das doch geht. Unsere Ausgaben beziehen sich wirklich auf das Notwendige: Tanken, Lebensmittel, Schulkosten. Natürlich kommen auch mal Kosten für Medikamente oder so hinzu, aber das gehört für mich zum Notwendigen. Unnötige Ausgaben wie für auswärts Essen, Kleidung, Deko etc. wurden nicht getätigt. Und uns fehlt rein gar nichts. <3 Die Einstellung hat sich verankert.

Ich fühle mich noch befreiter als zu vor.

Wie schreibt Nico von Finanzglück so treffend (übrigens, sehr lesenswert, husch mal vorbei):

Es geht also nicht darum allem Materiellen zu entsagen und wie Diogenes von Sinope in der Tonne zu hausen.

Das Ziel ist es vielmehr sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und unnützen Ballast abzuwerfen. Idealerweise schaffst Du durch solch einen gezielten Konsumverzicht ein erfüllteres Leben mit mehr persönlicher Freiheit zu leben.

Oder anders ausgedrückt: Cut the bullshit out of your life!

Ich weiß, das wir immer noch zu viel besitzen. Auf der einen Seite fühle ich mich viel freier, auf der anderen Seite fühle ich noch Ballast von manchen noch vorhandenen Gegenständen. Ich möchte nur noch Gegenstände im Haus haben, die mich wirklich glücklich machen oder eben existenziell sind. Und dazu braucht es nicht viel. Bis dahin wird noch Zeit ins Land streichen, aber ich erreiche das Ziel irgendwann. Dieser Prozess dauert wirklich lange. Ich glaube, dass können andere, die diesen Weg ebenfalls gehen oder schon gegangen sind, bestätigen.

Es könnte doch so schön sein!

Aber… Ja jetzt kommt das aber… Wir sind eine Familie. Und wir sind alle unterschiedlich. Das Teeniezimmer mag ich gar nicht betreten, weil es mich da förmlich erschlägt. Aber das ist normal, das wird sich vielleicht (hoffentlich!) irgendwann auch mal ändern. Wehe jemand nimmt mir die Hoffnung! 😉
Meine Jüngste folgt mir langsam und trennt sich auch immer mehr von Dingen und kauft kein sinnloses Spielzeug. Aber dennoch ist sie eine kleine Chaosqueen.
Und mein Mann… Der kann sich gut von Deko und sonstigen Gegenständen im Haus trennen, auch Kleidung wird langsam besser. Neue Kleidung hat er seit langer Zeit nicht mehr gekauft und auch er hat mittlerweile einen Blick für das Notwendige bekommen. Da sind wir so ziemlich auf einer Wellenlänge. Aber es gibt da so eine Sammelleidenschaft von ihm… Modellbau. Und da werden wir niemals auf einen Nenner kommen. Für mich ist das Quatsch, den wir absolut nicht brauchen. Er liegt nur rum, nimmt Platz weg und staubt zu. Er hingehen hängt daran. Und da es ihn glücklich macht, bleibt es dann halt auch. *ggrrr 😉
Witzig ist allerdings immer wieder, dass er meint, es gäbe nichts auszusortieren – so wie bei seiner Kleidung heute. 😉 Und dann macht er mit und staunt später selbst darüber, wie viel es doch auszusortieren gab. Diese Momente liebe ich. <3

Ich möchte noch einmal Nico von Finanzglück zitieren, weil seine Worte meine Gedanken so gut wiedergeben:

    Besitz frisst Deine Zeit – Du musst Dinge kaufen, pflegen, reparieren und irgendwann entsorgen.
    Besitz braucht Deine Energie – Du musst Dich um Deine Dinge kümmern und Deine Aufmerksamkeit schenken.
    Besitz kostet Dich Geld – Du musst erst mal Geld verdienen um Dir Dinge kaufen zu können.

Insbesondere der letzte Punkt ist wichtig. Je mehr Geld man besitzt, desto größer die Gefahr, dass man es ausgibt. Bei uns war es so, leider. Aber wir sind noch jung und haben jetzt die Reissleine gezogen. All das Geld, dass wir jetzt sparen, legen wir zur Seite. Wir werden uns drüber freuen und unsere Erben später ebenso. Auch das ist ein wunderschönes Gefühl.

Ich brauche den ganzen Konsum nicht mehr. Es nervt mich, in die Stadt zu müssen, die Menschenmengen stressen mich ungemein. Mir ist das alles zu viel geworden. In unserer Welt dreht es sich immer mehr um größer, schneller, besser. Aber das wollen wir – da kann ich für meinen Mann mitsprechen – nicht mehr. Wir steigen, so gut es eben geht, aus diesem Hamsterrad aus.

Und es fühlt sich einfach nur gut und befreiend an.

Lieben Gruß,
Jani

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