Minimalismus weniger ist mehr
Minimalismus

Minimalismus – Wie aus Weniger für uns Mehr wurde

Als wir mit unseren Blog umgezogen sind, haben wir auch viel in alten Beiträgen gelesen. Es war faszinierend, wie wir uns in den letzten zwei Jahren verändert haben. Das bezieht sich nicht nur auf unseren Hausrat, sondern auch auf unsere Einstellung auf das Leben. Während wir z. B. vorher immer irgendwie viel gemacht haben (Darf ich als Mama noch eigene Ziele haben?, Wie macht ihr das bloß? Vereinbarkeit von Familie, Studium und Job) und das für uns selbstverständlich war, haben wir irgendwann alles reduziert. Maßgeblich dazu beigetragen haben wahrscheinlich auch die Punkte, dass auch unsere Jüngste zur Schule geht und Freddy aus dem Schichtdienst raus ist. Dadurch hat sich natürlich viel bei uns verändert und es sind mehr Möglichkeiten entstanden.


Inhaltsverzeichnis


Lies dazu auch gerne diese Beiträge:
Wie der Minimalismus uns verändert: viele Entscheidungen für ein ruhigeres Leben
Das wirklich Wichtige im Leben für uns: Zeit
Minimalismus: Wie sich unsere Einstellung auf unseren Besitz verändert hat
Mehr Zeit und Zufriedenheit durch Minimalismus
Digitaler Minimalismus im Familienleben


Früher immer beschäftigt

Ich muss kurz ausholen, denn die Faktoren, die ich jetzt nenne, gehören mit zu unserer Veränderung dazu. Und ist nämlich nicht über Nacht die Weisheit gekommen, wodurch wir unser Leben von Grund auf geändert haben. Schön wärs! Nein, es waren so viele Punkte, so viel Arbeit dahin zukommen, wo wir heute sind.

Wir waren wirklich immer beschäftigt. Immer. Neben dem Job und Familie haben wir studiert, wenn eine Weiterbildung sich dem Ende zugeneigt hat, wurde schon nach der nächsten geschaut. Man könnte auch sagen, dass ich, Jani, diesbezüglich ruhelos war. Ich muss dazu sagen, dass ich früher eine Ausbildung gemacht habe und in einem Beruf tätig war, der mich nicht glücklich gemacht hat. Ich habe dann alles auf eine Karte gesetzt, eine Zugangsprüfung gemacht (habe kein Abi), neben Familie und Beruf im Bachelor studiert, den Master angehangen und diesen im Januar diesen Jahres erfolgreich beendet. Meine Jobs waren immer befristet, was immer auch eine Unsicherheit mit sich trug – etwas, womit ich gar nicht gut umgehen kann. Unsicherheiten lösen bei mir immer Sorgen aus und ich gerate dann oft in einen “Aktionsmodus”. Das aber ist seit letztem Sommer vorbei. Seitdem bin ich so viel ruhiger geworden und verspüre keinen Drang mehr, studieren oder mich beruflich verändern zu wollen. Ich bin beruflich angekommen.
Freddy ist aus dem Schichtdienst raus und ist auf einer anderen Stelle im Unternehmen tätig. Er hat das erreicht, was er wollte – und das ohne Studium. Ich schreibe das mit Absicht, weil er ein Studium angefangen hatte, um beruflich voran zu kommen. Das war aber im Endeffekt gar nicht notwendig. Er hat es auch so geschafft. Die Entscheidung, das Studium zu Gunsten der Familie zu beenden, war folgerichtig.

Heute sind wir angekommen

Jetzt fühlen wir uns angekommen. Wir haben beruflich das erreicht, was wir erreichen wollten. Wir haben beide (endlich!) sichere Jobs. Wir sind sehr glücklich mit unseren Jobs und gehen total gerne zur Arbeit. Wir sind gefordert, machen nebenbei Fortbildungen und wir sind zufrieden.

Nie hätten wir uns vorstellen können, dass wir einmal so ruhig und entspannt leben, dass wir keine Lust darauf haben, etwas zu machen, sondern einfach nur das Zusammensein, ohne Verpflichtungen zu genießen.

Viele Veränderungen kamen auf einmal zusammen

Während sich unsere berufliche Situation verbesserte, veränderte sich gleichzeitig auch unser Mindest. Früher sind wir mit dem Strom geschwommen, haben hier und da was gekauft, sind am Wochenende in die City zum Shoppen gefahren, haben auf billige Produkte und Schnäppchen geachtet und sie oft auch gekauft – auch wenn wir sie gar nicht brauchten. Sie waren halt schön. Das Geld wurde zum Fenster herausgeworfen.

Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr viel nachgedacht, über uns und unser Verhalten reflektiert und damit einhergehend dieses auch verändert. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir nun Vorzeige-Menschen geworden sind, die keine Fehler machen, sich nichts gönnen und versuchen perfekt zu leben. Oh nein, auf keinen Fall.

Vom perfekten Leben sind wir meilenweit entfernt. Wir versuchen nur unser Bestes zu geben und das Beste aus uns herauszuholen.

Wenn wir aber ehrlich sind, wollen wir auch gar nicht perfekt sind. Perfekt zu sein bedeutet ja auch gleichzeitig, keine Fehler machen zu dürfen. Außerdem werden schnell Schubladen geöffnet, in die man hineingesteckt wird. Das wollen wir nicht. Wir sagen immer, der Weg ist das Ziel. Versuche jeden Tag, ein besserer Mensch als gestern zu sein.

Auf ins Abenteuer

Während wir also 2018 noch im Hamsterrad gefangen waren und versuchten, die Kinder, mein Studium, meinen Job und den Schichtdienst von Freddy unter einen Hut zu bekommen, machten wir uns auf in das Experiment 26 Wochen ohne – unser Experiment für mehr Nachhaltigkeit, das alles in Rollen brachte. Im Januar 2019 folgte dann Mitten im Experiment die 31-Minimalismus-Challenge. Diese beiden Abenteuer haben uns nachhaltig verändert.

Und was veränderte sich?

Es veränderte sich unsere ganze Haltung, unsere Einstellung, unser Blick auf das Leben.

Nachhaltiger Konsum

Wir stellten fest, dass kein Konsum zunächst der beste Konsum ist. Es werden keine Ressourcen dafür benötigt. Aber natürlich muss man ab und an konsumieren. 😉 Da haben wir festgestellt, dass beispielsweise fair hergestellte Produkte besser sind, als die konventionell hergestellten und dass regional und saisonal besser ist, als Obst und Gemüse einfliegen zu lassen.

Plastikwahn

Uns wurde der Plastikwahn viel bewusster. Bei jedem Einkauf dachten wir “Himmel, wie viel Plastikmüll wir verbrauchen!” und hinterfragten, ob das wirklich so notwendig ist. Wir leben nicht plastikfrei und sind auch da meilenweit von entfernt. Wir haben aber unseren Plastikmüll stark reduziert und achten viel mehr darauf, was wir einkaufen. Wir achten darauf, möglichst wenig Plastik zu produzieren und nur das zu kaufen, was wir wirklich benötigen.

Minimalisieren

Wir haben festgestellt, dass es uns emotional besser geht, wenn wir nicht viel Kram rumstehen haben. Dass wir es lieber mögen, wenn unsere Einrichtung klar, strukturiert und aufgeräumt ist. Den cleanen-Stil, wie einige ihn mögen, mögen wir nicht. Wir lieben Naturholz, weiße Wände und schlichte, farbige Accessoires.

Das ganze Entrümpelt tat unserer Seele soooo gut. Wir haben unseren kompletten Hausstand im Prinzip generalüberholt. Wir haben so unendlich viel aussortiert, verschenkt, verkauft und teilweise auch weggeworfen (Teile, die kaputt waren).

Insbesondere die 31-Tage-Minimalismus-Challenge war unglaublich anstrengend. Die Gefühle führen förmlich Achterbahn. Es tat einerseits total gut, die Dinge auszusortieren, sich zu befreien. Andererseits war es anstrengend und aufwühlend, weil wir meinten, an manchen Teilen zu hängen (was nicht so war), weil wir die Sachen loswerden mussten, weil es einfach sehr viel war. Aber am Ende hat es sich sehr gelohnt. Selten haben wir uns so befreit gefühlt.

Seitdem misten wir immer wieder aus, weil im Familienleben immer mal wieder etwas anfällt. Wie wir das machen, haben wir hier beschrieben: So misten wir langfristig aus.

Und was bringt uns der Minimalismus jetzt?

Es wurde aus jedem Weniger ein Mehr.

Weniger Kram = mehr Platz

Wir konnten die Zimmer so verändern, dass wir ein Zimmer als Spielzimmer einrichten konnten. Wir konnten Schränke und Regale abbauen, mittlerweile leere Kisten verschenken und haben überall mehr Platz. Kein Schrank ist mehr vollgestellt, Staubwischen ist super einfach geworden, Unordnung lässt sich sehr schnell beheben.

Wir fühlen uns zu Hause wohler als eh und je.

Weniger Verpflichtungen = mehr Zeit für eigene Wünsche

Wir haben die Verpflichtungen reduziert. Dadurch, dass wir nebenher nicht mehr studieren, haben wir viel mehr Zeit gewonnen. Wir haben 8 to 4 Jobs und nachmittags Zeit für uns.

Wir sagen mittlerweile auch zu Verpflichtungen, bei denen sich alles in uns sträubt, nein. Wir achten mehr auf unser Gefühl und respektieren unsere Wünsche und Bedürfnisse.

Weniger Konsum = mehr Geld

Ein Aspekt, der nicht außer Acht zu lassen ist. Das ganze Geld, dass man nicht mehr ausgibt, kann man sparen, zu Seite legen und für Zeit statt Geld (z. B. Ausflüge, Reisen etc.) ausgeben.

Weniger Durcheinander = mehr Klarheit

Beispiel Kleiderschrank

Nennen wir als Beispiel mal meinen Kleiderschrank. Ich hatte so viel Kleidung, dass ich oft nicht wusste, was ich anziehen sollte. Es gab so viele Kleidungsstücke, die ein tristes Dasein in meinem Schrank lebten, die nie getragen wurden, die einsam und verlassen dort vegetierten.

Immer wieder experimentierte ich in Sachen Kleidung rum. Ich sah Kleidungsstücke, die an anderen Frauen wunderbar aussahen, die ich auch haben wollte. Ich kaufte sie mir, trug sie nur nie. Denn es war einfach nicht mein Stil.

Heute habe ich nur noch die Kleidung im Schrank, die ich wirklich mag und auch trage. Eigentlich besteht meine Capsule Wardrobe nur aus Lieblingsstücken.

Beispiel Einrichtung

Das Gleiche gilt aber auch für unsere Einrichtung. Anstatt eines kunterbunten Wirrwarrs, bestehend aus allerlei Dingen, die nicht zusammenpassen, besteht unsere Einrichtung nun aus unseren Lieblingsgegenständen und Dingen, die wirklich zusammenpassen.

Wir haben sowohl in Sachen Kleidung als auch in der Wohnungseinrichtung unseren Stil gefunden.

Beispiel Gedanken

Wir brauchen uns keine Gedanken mehr darüber machen, wie wir unser Leben und unsere Hauseinrichtung gestalten wollen. Ebenso brauchen wir uns keine Gedanken darüber machen, was uns noch fehlt. Werbung lesen wir nicht mehr und brauchen uns deshalb auch keine Gedanken darüber machen, was wir vermeintlich kaufen müssten.

Mit jedem Teil, von dem wir uns trennten, wussten wir mehr, wer wir sein wollen, wer wir sind. Unser Haus, unser Stil zeigt nun, wer wir sind. Das Chaos ist beseitigt.

Vielleicht mag es etwas komisch klingen, aber unsere Seele wurde mit jedem Teil weniger im Haus, freier.

Wir sind entspannter

Wir haben nun die Möglichkeit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Unser Haus strahlt Ruhe aus, so dass wir zu Hause entspannen können. Wir sind entspannter, was das Kaufen, Nicht-Kaufen, Aufbrauchen und so weiter betrifft.

Anstatt, wie früher, am Wochenende in die City zum Shoppen zu fahren, verbringen wir die Zeit bei uns zu Hause im Garten, machen Ausflüge, gehen in den Wald, spazieren oder spielen gemeinsam Spiele. Wir lassen uns nicht mehr stressen und von anderen beeinflussen (“Das muss ich auch haben!”). Es ist uns schlicht egal geworden.

In der Nachbarschaft haben wir Familien, die ihr Geld in fette Autos investieren und seinen sehr pompösen Lebensstil führen. Es reicht nicht ein Auto zu besitzen, nein zwei, manchmal sogar drei (bei zwei Fahrern) müssen sein. Zum Bäcker wird mit dem SUV gefahren. Sie lassen es sichtbar heraushängen, dass sie sehr vermögend sind (was wir ihnen absolut gönnen). Glücklicher sehen sie damit aber nicht aus. Wir persönlich können damit gar nichts mehr anfangen. Wir leben lieber im Kleinen, wissen um unser Geld und müssen das gar nicht nach außen tragen.

Wir haben auch gelernt, nein zu sagen. Dieses “Ich muss gar nichts” entspannt ungemein. Alles in allem, haben wir vieles verändert und einiges an Lebensqualität dazu gewonnen. Wir haben aus allem Weniger ein Mehr gemacht.

Zum Abschluss möchten wir noch kurz sagen: Als Minimalisten bezeichnen wir uns heute immer noch nicht. Wir mögen das Schubladendenken nicht. Wir lieben Minimalismus, leben minimalistischer, aber als Minimalisten möchten wir uns nicht bezeichnen.

Wie läuft es bei dir in Sachen Minimalismus? Magst du uns ein bisschen drüber erzählen?

Liebe Grüße,
Jani

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