Gastbeitrag: Fast Fashion – warum Mode nachhaltiger gestaltet werden muss

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Zuletzt aktualisiert am 13. Januar 2023

Dieser Gastbeitrag über Fast Fashion und Nachhaltigkeit stammt von dingsthings – von Mamas für Mamas (& Papas): Sruthika und Svenja sind Mamas von je zwei Kindern. Nach ihren Geburten stellten sie fest, wie unglaublich schnell sie aus ihrer Kleidung herauswachsen. Sie fanden es ökologisch unverantwortlich alles neu zu kaufen und fingen an, gebrauchte Kinderkleidung von Freunden, Online oder auf Flohmärkten zu kaufen und zu verkaufen. Dabei haben sie gemerkt, dass es als Verkäufer sehr viel Zeit kostet, Kleidung zu verkaufen und man teilweise als Käufer viel Geld ausgibt und die Qualität enttäuscht.

Die Mission von dingsthings ist es, dass mehr Eltern gebrauchte Kleidung aus guten Materialien kaufen und verkaufen, damit wir diesen Planeten für die Zukunft entlasten können. Mit dingsthings kaufen Svenja und Sruthika Kleidung an, ohne dass Eltern sie vorher sortieren, fotografieren und mit Käufern kommunizieren müssen und verkaufen qualitativ hochwertige Kleidung in ihrem eigenen Onlineshop an andere umweltbewusste Eltern weiter. 


Inhaltsverzeichnis


Die erschreckende Realität der Modeindustrie – zu viel, zu billig

Der Konsum in der Modeindustrie ist seit Beginn dieses Jahrtausends durch den Fast Fashion Trend enorm angestiegen. Zwischen 2002 und 2015 hat sich der Absatz von der Modeindustrie fast verdoppelt. Was heute auf den Laufstegen gezeigt wird, wird innerhalb kürzester Zeit kopiert und als günstige Massenware verkauft. Natürlich macht es Spaß, uns selbst und unsere Kinder schön anzuziehen – keine Frage. Aber was sind wir bereit, dafür zu bezahlen? 

Fastfashion besteht überwiegend aus synthetischen Fasern

Fast Fashion basiert auf synthetischen Fasern – allen voran Polyester. Die Faser ist billig und einfach zu produzieren. Polyester befindet sich in etwa 60% unserer Kleidung. Es wird aus nicht-erneuerbaren Ressourcen, nämlich aus Erdöl, hergestellt. Hinzu kommt der energieintensive Produktionsprozess, der größtenteils aus konventionellen Energiequellen wie Kohlekraftwerken gedeckt wird. 70% der Kleidung, die wir in Europa kaufen, wird in Asien hergestellt und wird in Containerschiffen in die Fast Fashion Märkte transportiert. Alles in allem trägt die Modeindustrie zu 10% der weltweiten CO2 Emissionen bei.

Einsatz umweltschädlicher Chemikalien

Neben den CO2 Emissionen ist die Bekleidungsindustrie laut des Asia-Europe Environment Forums durch die Behandlung und das Bleichen von Stoffen – in der Textilindustrie werden mehr als 70 gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien eingesetzt – für etwa 20% der weltweiten industriellen Wasserverschmutzung und für etwa 35% der Mikroplastik-Verschmutzung, also dem Abrieb von synthetischen Fasern, in den Weltmeeren verantwortlich.

Fast Fashion ist kurzlebig

Das Problem von Fast Fashion endet nicht mit dem Kauf der Kleidung. Fast Fashion ist kurzlebig. Die Kleidung verzieht sich beim Waschen, läuft ein oder geht schnell kaputt. Da sie häufig aus einem Mix von natürlichen und synthetischen Fasern hergestellt wird, ist sie in der Regel nicht recyclebar. Sie endet daher entweder auf (teils illegalen) Müllhalden bzw. in der Müllverbrennung (jeder Europäer entsorgt durchschnittlich 11 kg Textilien pro Jahr) oder in Altkleidercontainern. Im zweiten Fall wird sie mit Glück weiterverwendet. Allerdings verbieten immer mehr Länder den Import von Altkleidern, da die Qualität der Kleidung zum Weiterverkauf zu schlecht ist und die Märkte schlichtweg gesättigt sind.



Wie Mode nachhaltiger gestaltet werden kann

Es gibt viele Wege, Mode nachhaltiger zu gestalten. Kleidung muss hochwertiger und damit langlebiger werden. Der Produktionsprozess muss ressourcenschonender werden. Es braucht Instandhaltungs- und Reparaturservices. Es müssen mehr Stoffe verwendet werden, die recycelt werden können und Möglichkeiten des Upcyclings genutzt werden. All dies erfordert ein Umdenken – in der Politik, in der Industrie und beim Verbraucher. 

Die EU hat im März diesen Jahres die EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien veröffentlicht, die genau an diesen Punkten ansetzt. Bis Ende des Jahres soll sie in einen Aktionsplan übersetzt werden, der u.a. Maßnahmen zu Design-Anforderungen, der richtigen Kennzeichnung von Textilien sowie zum Problem der Ausfuhr von Textilabfällen enthält.

Auch die Industrie wird mehr und mehr aktiv. Im Jahr 2019 haben mehr als 60 Unternehmen aus der Modeindustrie den Fashion Pakt unterschrieben. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die globale Erderwärmung zu stoppen, Biodiversität wiederherzustellen und die Weltmeere zu schützen. Im Fokus steht dabei die Kooperation mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette.

Als Verbraucher haben wir es selbst in der Hand, was wir einkaufen. Zertifizierungen und ein Blick auf die Materialien im Label der Kleidungsstücke sind zwei wichtige Indikatoren beim Kauf von Kleidung. Am schonendsten für die Umwelt ist es jedoch, den Kauf von neuer Kleidung so oft wie möglich durch den Kauf von hochwertiger gebrauchter Kleidung zu ersetzen. 

Unsere 5 Tipps für deinen Second Hand Kauf

Für den Kauf von Second Hand Produkten möchten wir unsere 5 wertvollsten Tipps mit dir teilen: 

1. Kaufe qualitativ hochwertige Materialien

Es gibt 3 Arten von Stoffen – Naturfasern, Synthetik und Mischgewebe. Der größte Nachteil von Mischgeweben besteht darin, dass sie nicht recycelt werden können. Bei natürlichen und synthetischen Stoffen ist es nicht ganz so schwarz und weiß. Dort ist es das Beste, wenn du dich für Marken entscheidest, von denen du weißt, dass sie umweltbewusst sind und Kleidung mit Zertifizierungen wie GOTS, Oeko-Tex, Global Recycling Standard und Bio verwenden.

2. Überlege vorher, was du wirklich brauchst

Wenn du einen Second Hand Laden betrittst oder gebrauchte Kleidung online einkaufst, kann das Angebot erst einmal überwältigend wirken. Überlege dir vor dem Einkauf, welche Kleidung du kaufen willst. Es ist viel einfacher, fokussiert eine Liste abzuarbeiten als einfach drauf los zu suchen. In Onlineshops kannst du nach Kategorien und Größen filtern und so leicht sehen, was es gibt

3. Wasche die Kleidung vor der ersten Nutzung und halte dich an die Angaben

Ob du neue oder gebrauchte Kleidung kaufst – wasche sie richtig, bevor du sie deinem Kind anziehst. Kleidungsstücke haben spezielle Waschanleitungen. Schau sie dir vor dem Waschen an, damit du das Beste aus ihnen herausholen kannst und sie so lange wie möglich erhalten bleiben. 

4. Achte auf die Marke

Einige Marken werden glücklicherweise langsam umweltbewusster. Du zahlst zwar einen kleinen Aufschlag dafür, aber das lohnt sich in jedem Fall. Kleidung solcher Marken hält i.d.R. länger – und du kannst sie besser wieder verkaufen.

5. Vorsicht bei gebrauchten Schuhen

Schuhe nehmen die Passform der Füße deines Kindes an. Wenn du sie gebraucht kaufst, ist das Profil möglicherweise bereits abgenutzt und die ursprüngliche Passform geht verloren – sie bieten den Füßen deines Kindes daher keine ausreichende Unterstützung. Achte darauf, qualitativ hochwertige Schuhe für dein Kind zu kaufen, da dies den Gang und die Entwicklung der Beine beeinflusst. Spare an diesem Punkt bitte kein Geld!


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3 Gedanken zu „Gastbeitrag: Fast Fashion – warum Mode nachhaltiger gestaltet werden muss“

  1. Ich finde es unglaublich schwierig, über Second Hand das richtige Kleidungsstück zu finden. Da ich keinerlei Kompromisse eingehen möchte was Stil oder Passform angeht, setze ich eher auf hochwertige neue Stücke. Dann braucht es auch keinen übervollen Kleiderschrank.
    Ich wundere mich auch sehr, wer diese Plastikstoffe freiwillig auf der Haut trägt. Wenn man sich die Stoffe in den Läden mal anschaut (oder fühlt), hat das mehr Ähnlichkeit mit einer kratzigen Mülltüte als mit etwas, dass ich anziehen würde.

    1. Danke für deinen Beitrag! Ja, Second Hand stellt manchmal schon eine Herausforderung dar. Wenn man aber Zeit einplant, kann es klappen. Ich finde auch nicht immer alles Second Hand. Da greife ich dann auf hochwertige Fair trade Kleidung zurück. Ich gebe dir recht: Es braucht dann auch keinen übervollen Kleiderschrank. Ich denke, es kommt auf das richtige Maß an. Doch bedenken wir dabei viele Aspekte: Nachhaltigkeit, Herstellungsprozesse (Menschen, die die Kleidung herstellen), Inhaltsstoffe, Chemie uvm. Wie immer gibt es hier keinen Goldweg.
      Liebe Grüße,
      Janina

    2. Es freut uns immer zu hören, wenn Eltern sich bewusst mit der Wahl der Kleidung auseinandersetzen! Genau das braucht unsere Erde – und schließlich kann die hochwertige neue Kleidung ja auch lange weiterverwendet werden. Mit dingsthings wollen wir Second Hand „kinderleicht“ machen, sowohl den Kauf als auch den Verkauf gebrauchter Kleidung. Wir uns, wenn du mal vorbeischaust! 🙂

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